Storytelling mit KI | Teil 2 | Erzählperspektiven

 

Zeitenwende. Mit diesem Wort hat Olaf Scholz den schrecklichen Überfall Russlands auf die Ukraine markiert und die Welt, die daraus folgte. Auch die Unternehmenskommunikation ist seither eine andere. Worte wie „Schlachtplan“, „Kampf ansagen“, „Feldarbeit“ erscheinen in einem ganz anderen Licht und verschwinden aus dem PR-Vokabular. Zu recht.

Zeitenwende  

Zeitenwende passt auch zu der seltsamen Zeit „nach Corona“. Die Pandemie hat unsere Welt und uns verändert. Es ist bei Weitem nicht alles wieder beim Alten, auch wenn es manchmal den Anschein hat oder wir es hoffen. Zu viel hat sich geändert. Arbeitszeiten und Arbeitswelten werden neu verhandelt. Menschen haben im Homeoffice vieles gelernt und einiges verlernt. Und viele von uns kamen aus dem Lockdown gestresster raus als wir reingegangen sind. Debatten kochen nach drei Jahren Pandemie schneller hoch, Meinungsverschiedenheiten werden aggressiver ausgetragen. Und ein kompromissorientiertes System wie die Demokratie wird plötzlich in Frage gestellt. 

Und zur politischen und gesellschaftlichen Zeitenwende kommt jetzt noch eine technologische. In den 90ern stauten wir über die unendlichen Weiten des Internets. Nach der Jahrtausendwende waren wir fasziniert von der Vernetzung der Welt durch Social Media. Und jetzt staunend wir wieder: „KI“ wird zur Wundertüte, deren Kräfte wir nicht fassen können. Viel sind fasziniert von der „Intelligenz“ der Computer und stürzen sich ins neue, digitale Abenteuer. Andere fürchten sich und warnen vor Arbeitsplatzverlust und Apokalypse.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte – in ein paar Jahren werden wir es wissen.

Zeitenwende im Storytelling

Aber was geht heute schon? Welche Mittel können wir jetzt schon nutzen? Das will ich mit einer kleinen Testserie rund um das Thema „Storytelling“ erforschen.

Heute Teil 2, in dem ich wissen will, ob KI eine Geschichte mit unterschiedlichen Erzählperspektiven schreiben kann (Sie haben Teil 1 verpasst? Lesen Sie gerne hier „Kann KI aus einer Pressemitteilung eine Story machen?“).
„Die stärkste Kraft einer Geschichte ist das Identifikationsangebot.“ 
Ich weiß gar nicht, von wem ich dieses Zitat habe, vielleicht von Peter Guber aus „Tell to Win“. Es betont, was eine gute Geschichte ausmacht: "Jede gute Geschichte braucht einen Helden" - zumindest eine Erzählperspektive. Geschichten werden von jemandem erzählt. Jemandem, mit dem man sich identifizieren kann. Geschichten sind eine Einladung in eine Erzählwelt und diese Einladung wird vom Erzähler ausgesprochen oder der Protagonistin, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird.

Wenn wir uns mit einer Geschichte identifizieren, dann tun wir dies vor allem mit der Perspektive aus der erzählt wird. Wir schlüpfen gedanklich in die Schuhe des Erzählers und (er)leben mit ihm oder ihr. Psychologen bezeichnen dieses „Hineinfühlen“: „Erfahrungsabgleich“ und „Stellvertreterlernen“. Wenn wir eine Geschichte hören, gleichen wir unsere Erfahrungen mit denen der Erzählerin oder des Protagonisten der Story ab. Oder aber wir lernen dazu - indem wir miterleben, was der Protagonist einer Geschichte gerade lernt.

Kann KI in die Schuhe eines Protagonisten steigen? 

Kann Künstliche Intelligenz (KI) unterschiedliche Erzählperspektive kreieren und somit ein Identifikationsangebot machen?

Bevor wir das testen, sollten wir klären, was mit "Erzählperspektive" gemeint ist. Dafür nehme ich mir die wissenschaftliche Arbeit von Lenny Steinbrück zur Hand, die er kürzlich zum Thema „Leadership Storytelling“ veröffentlicht hat. Darin zitiert Steinbrück aus F. K. Stanzels „Typische Formen des Romans“, der drei Erzählsituationen unterscheidet:

“Die Grundform des Erzählens in einer auktorialen Erzählsituation ist die berichtende Erzählweise. Der auktoriale Erzähler erweckt den Anschein, dass er mit dem Autor identisch ist. (…). Bei einer Ich-Erzählsituation ist der Erzähler einer der Charaktere. Er weiß vom Geschehen, weil er es von betroffenen Akteuren erfahren, beobachtet oder miterlebt hat, oder weil er von einer Situation berichtet, in der er sich selbst befunden hat (…). In einer personalen Erzählsituation wird seitens des Erzählers auf eigene Einmengungen verzichtet. Dem Leser ist die Anwesenheit des Erzählers nicht bewusst. Der Erzähler stellt sich selbst so weit in den Hintergrund, dass der Leser der Illusion erliegt, er selbst würde das Geschehen erleben.“ Soweit F. K. Stanzel.

Alles klar?

Um es noch klarer zu machen, habe ich ChatGPT gebeten, eine Tabelle zu erstellen mit Beispiel-Romanen und Kurzzitaten. Dann verstehen Sie es sicher noch besser:

(ChatGPT war noch wichtig zu sagen: „Bitte beachten Sie, dass die angeführten Zitate nicht original aus den Werken stammen, sondern lediglich als beispielhafte Darstellung dienen, um die unterschiedlichen Erzählsituationen nach Stanzel zu veranschaulichen. Für genaue Zitate müssten Sie die jeweiligen Texte direkt konsultieren.“)

Soweit die Literaturwissenschaft. Wie sieht das aber in der PR aus? 

Kann ChatGPT damit arbeiten?

Für den Test nehme ich die gleiche Textsubstanz, wie bereits in Teil 1 dieser Testserie: eine Pressemitteilung des Pharma- und Chemieunternehmens Merck über die Eröffnung von zwei mRNA-Labore in Darmstadt und Hamburg. Im ersten Teil hat ChatGPT aus einer klassischen Pressemitteilung eine „Story“ generiert (zumindest nach KI-Kriterien). Diese „Story“ benutze ich heute für meine weiteren Prompts, um ChatGPT anzuweisen, unterschiedliche Erzählperspektiven und -Situationen einzunehmen.

Mein erstes Prompt lautet:
„Scheibe die folgende Pressemitteilung um in eine Story mit einer auktorialen Erzählsituation: (TEXT DER PI).“
Das Ergebnis? Überraschend:

“In der ruhigen Stadt Darmstadt, tief verwurzelt in Wissenschaft und Technologie, entstand eine bemerkenswerte Geschichte, die von der Pionierarbeit eines Unternehmens erzählt: Merck. Seit über einem Vierteljahrhundert war Merck eine treibende Kraft im Bereich der biomedizinischen Forschung, doch im Jahr 2023 erreichte ihre Geschichte einen Wendepunkt, als sie das erste Unternehmen weltweit wurden, das ein umfassendes Dienstleistungsangebot für die mRNA-Technologie bereitstellte.

Am 26. September dieses Jahres wurde diese bahnbrechende Ankündigung gemacht. Neue Produktionsstätten in Darmstadt und Hamburg, die den neuesten Standards entsprechen, wurden eröffnet. Diese erweiterten Standorte vervollständigten Mercks visionäres Projekt: Ein nahtloses, integriertes Servicenetzwerk, das die Präklinik bis hin zur kommerziellen Produktion abdeckt.

Doch diese Errungenschaft war mehr als nur eine Erweiterung der physischen Kapazitäten. Es war das Resultat einer tiefgreifenden Hingabe und Innovation. Dirk Lange, Leiter des Life Science Services, sprach mit Stolz über die Wirkung der mRNA-Technologie. Sie war nicht mehr nur ein Forschungsgegenstand, sondern ein Hoffnungsträger für die Behandlung und mögliche Heilung von Krankheiten wie Krebs, Herzkrankheiten und Muskeldystrophie.

Die Investition von einer Milliarde Euro markierte nicht nur eine finanzielle Verpflichtung, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber der Wissenschaft und der Menschheit. Merck war nicht nur ein Unternehmen, sondern ein Symbol des Fortschritts. Dr. Simone Spuler, eine renommierte Forscherin, sprach über die Zusammenarbeit mit Merck und wie diese Partnerschaft ihre Forschungen zur Muskeldystrophie vorangetrieben hatte.

Mercks CTDMO Services war nicht nur ein Name, sondern eine Garantie für Qualität und Innovation. Diese Einheit deckte alles ab, von monoklonalen Antikörpern bis zu hochaktiven Wirkstoffen, und wurde zu einem integralen Bestandteil von Mercks „Big 3“ - den Hauptwachstumstreibern des Unternehmens.

Durch diese Entwicklung stand Merck nicht nur an der Spitze einer medizinischen Revolution, sondern war auch ein Leuchtturm der Hoffnung. Es war eine Geschichte von Mut, Weitsicht und einer unerschütterlichen Verpflichtung gegenüber der Zukunft. Und so, während Merck sich auf seinen weiteren Weg machte, waren sie mehr als ein Unternehmen – sie waren ein Versprechen an eine bessere Zukunft.

Plötzlich wird alles emotionaler. Wo kommt das denn her? „In der ruhigen Stadt Darmstadt“… wer hat denn behauptet, dass Darmstadt „ruhig“ ist? „Es war das Resultat einer tiefgreifenden Hingabe“ … also über zu wenige Engagement von ChatGPT beim Erzählstil braucht man sich hier nicht beschweren. Die Pressemitteilung wird emotional und schwülstig. Aber es ist eine Erzählung. 

Die auktoriale Erzählperspektive zwingt anscheinend das „Präteritum“ auf und irgendwie klingt die Erzählung damit fiktional. Fehlt nur noch der Schlusssatz „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann …“. Aber textlich eine beachtliche Leistung.

Aus der Ich-Perspektive 

Sehen wir uns doch gleich die nächste Erzählperspektive an und wechseln in die Ich-Perspektive. Kann ChatGPT eine Pressemitteilung in eine „Ich-Erzählung“ wandeln? Der Prompt lautet: 
„Scheibe die folgende Pressemitteilung um in eine Ich-Erzählung: (TEXT DER PI).“
Und hier kommt der Ich-Erzähler:

„Ich erinnere mich noch genau an den 26. September 2023, als ich durch die Flure von Merck in Darmstadt ging. Ich konnte die Aufregung in der Luft spüren, denn an diesem Tag setzten wir einen Meilenstein in der Geschichte der Biotechnologie. Ich bin Teil dieses innovativen Teams und heute war der Tag, an dem wir offiziell das erste Unternehmen wurden, das ein komplettes Serviceangebot in der mRNA-Technologie präsentierte.

Es war nicht nur eine Ankündigung. Es war die Frucht jahrelanger Arbeit und Hingabe. In Darmstadt und Hamburg eröffneten wir zwei neue, hochmoderne Produktionsstätten, die unsere Vision eines globalen, integrierten Servicenetzwerks für mRNA komplett machten. Als Teil des Teams, das an der Millipore® CTDMO Services Einheit arbeitete, war ich stolz darauf, dass wir nun alle Hauptprozessschritte der mRNA-Technologie abdecken konnten, von Lipiden bis zu Lipid-Nanopartikeln und Fill & Finish-Verfahren.

Ich erinnere mich an die Worte unseres CEO, Dirk Lange, der über die bahnbrechende Innovation der mRNA-Technologie sprach. Er betonte, wie sie das Potenzial hat, Krankheiten wie Krebs, Herzkrankheiten und Muskeldystrophie zu behandeln, vielleicht sogar zu heilen. Dies war keine leere Rhetorik – es war eine Vision, die wir bei Merck lebten und atmeten.

Der Weg hierher war nicht einfach. Es war Teil eines gigantischen Investitionsplans von einer Milliarde Euro. Aber jeder Cent war es wert, denn wir waren nicht nur ein Unternehmen, das Geschäfte machte. Wir waren Pioniere, die die Zukunft der Medizin gestalteten. Die Übernahme von AmpTec und Exelead war ebenfalls ein entscheidender Schritt in diesem Prozess, und die Schaffung von 75 neuen Arbeitsplätzen in unseren neuen Anlagen war ein Zeichen unseres Engagements und Wachstums.

Die Worte von Dr. Simone Spuler, einer Forscherin, die eng mit uns zusammenarbeitete, hallen noch heute in meinen Ohren wider. Ihre Forschung zur Muskeldystrophie wurde durch unsere Technologie und Zusammenarbeit entscheidend vorangetrieben. Es war faszinierend zu sehen, wie unsere Arbeit nicht nur das Geschäft, sondern auch das Leben der Menschen beeinflusste.

Ich bin stolz darauf, Teil einer Organisation zu sein, die ihr Serviceangebot in so vielen Bereichen ausweitet, von monoklonalen Antikörpern bis hin zu viralen Vektoren. Unsere Arbeit bei Millipore® CTDMO Services ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was Merck ausmacht. Und mit unserem Ziel, den Konzernumsatz bis 2025 auf rund 25 Milliarden Euro zu steigern, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Als ich heute in meinem Büro sitze und über die vergangenen Jahre nachdenke, bin ich mir der Rolle, die ich in diesem bahnbrechenden Kapitel der Geschichte von Merck gespielt habe, bewusst. Wir haben nicht nur die Grenzen der Wissenschaft erweitert, sondern auch Hoffnung und Heilung für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt gebracht.“


Offen gesagt, dieses Ergebnis macht mich sprachlos. So gut ist es. Nicht, dass ich es in der PR tatsächlich verwenden würde. Aber in Teilen kann man sich vorstellen, dass ein (hoch emotionaler) Mitarbeiter oder eine Kollegin so erzählt, oder? Auch die szenischen Beschreibungen finde ich aussergewöhnlich („erinnere ich mich gut“, „hallen in meinen Ohren“, „als ich heute in meinem Büro sitze“), zeigen sie doch, dass ChatGPT von anderen Ich-Erzählungen ziemlich gut kopiert hat.

Und dann haben wir aber noch die dritte Perspektive, die personale Erzählsituation, die, so Stanzel „Den Leser gedanklich eins werden lässt mit der Romanfigur.“ Es ist das beste Identifikationsangebot, das ein Schriftsteller und eine Autorin machen kann. Kann ChatGPT damit etwas für unsere Pressemitteilung tun?

Der Prompt sieht so aus: 
„Scheibe die folgende Pressemitteilung um in eine Story mit einer personalen Erzählsituation: (TEXT DER PI).“
Was kommt von ChatGPT als Antwort? Dies hier:

„Ich stand am Fenster meines Büros in Darmstadt, blickte hinaus und dachte an den bedeutenden Schritt, den Merck heute machte. Es war der 26. September 2023, ein Tag, der in die Geschichte eingehen würde. Als Teil des Teams von Merck, einem führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmen, fühlte ich mich privilegiert, Zeuge dieser bahnbrechenden Entwicklung zu sein. Wir hatten gerade die ersten integrierten Serviceangebote für die gesamte Prozesskette der mRNA-Entwicklung, -Herstellung und -Vermarktung eingeführt.

Ich erinnerte mich an die frühen Morgenstunden, als ich durch die neuen Standorte in Hamburg lief, die unser globales Netzwerk komplettierten. Überall herrschte geschäftiges Treiben. In diesen Gebäuden, die vom präklinischen bis zum kommerziellen Stadium reichten, wurden bahnbrechende Ideen zur Realität. Ich konnte die Intensität und das Engagement meines Teams spüren, das sich der Millipore® CTDMO Services widmete. Wir deckten nun alle Hauptprozessschritte von mRNA-Technologien ab, ein Meilenstein, auf den wir stolz sein konnten.

Dirk Lange, unser Leiter des Life Science Services, hatte es früher am Tag treffend formuliert: „Die mRNA-Technologie ist eine bahnbrechende Innovation dieses Jahrhunderts, mit dem Potenzial, ein breites Spektrum an Erkrankungen zu behandeln.“ Seine Worte hallten in mir wider, während ich über die Implikationen nachdachte. Krebs, Herzkrankheiten, Muskeldystrophie – die Aussichten waren revolutionär.

Unser Engagement ging weit über die bloße Forschung hinaus. Ein Investitionspaket von 1 Milliarde Euro zeigte unsere Entschlossenheit, das Gebiet der mRNA-Technologien weiterzuentwickeln. Die Akquisitionen von AmpTec und Exelead waren Teil dieser Vision, um unser globales Netzwerk zu stärken.

Ich blickte auf die Bilder der neuen Produktionsstätten in Darmstadt und Hamburg, die 75 neue Arbeitsplätze geschaffen hatten. Unsere Kunden würden von nun an von einem umfassenden Angebot profitieren, das von der präklinischen Phase bis zur Marktversorgung reichte.

Später am Tag traf ich Dr. Simone Spuler vom ECRC. Ihre Worte, dass unsere Zusammenarbeit entscheidend für ihre Forschung in der Muskeldystrophie war, berührten mich. Es war ein lebendiger Beweis dafür, wie unsere Arbeit das Leben der Menschen veränderte.

Wieder am Fenster, dachte ich über die breite Palette unserer Angebote nach – von monoklonalen Antikörpern bis zu viralen Vektoren. Merck hatte nicht nur die Grenzen der Wissenschaft erweitert, sondern auch eine neue Ära der Hoffnung und Heilung eingeleitet.Ich schloss die Augen und stellte mir eine Zukunft vor, in der Merck weiterhin an der Spitze der medizinischen Revolution steht. Mit einem geplanten Konzernumsatz von rund 25 Milliarden Euro bis 2025 und den „Big 3“ als Wachstumstreiber waren wir mehr als nur ein Unternehmen; wir waren Vorreiter einer neuen Ära der Gesundheitsfürsorge.“

Erwischt. ChatGPT ist also nicht unfehlbar (na ja, das hat auch keiner behauptet). Denn dies hier ist keine personale Erzählsituation, sondern eine noch emotionalere Ich-Erzählung. Die aber auch Spaß macht zu lesen, denn schließlich hat dies eine Maschine geschrieben, die nie irgendein Labor gesehen hat. Diese letzte Story liest sich wie von einer stolzen Mama geschrieben, die endlich ihr Baby „die beiden Labore“ in Händen hält bzw. eröffnet und stolz darauf ist. Und tatsächlich, da schwingt schon eine ziemliche Portion Emotion mit, in die man sich durchaus auch hineinversetzten kann. Ein klein wenig zumindest, oder?

Wer spricht?

Doch ich will noch etwas probieren. Denn eigentlich suchen wir in der PR viel konkretere Erzählperspektiven. Die Beispiele oben lassen ja schon erahnen, wie die Geschichte als Mitarbeiterstory funktionieren könnte. Aber gibt es noch andere Perspektiven?

Jede Menge! Zum Beispiel 
  • der Blickwinkel des Managements oder 
  • die Sichtweise eines Dienstleisters und Geschäftspartners, der am Bau der Labore beteiligt war. 
  • Oder eine ganz überraschende Perspektive … lassen Sie sich überraschen und lesen Sie weiter:

Der Prompt: 
„Du bist Pressesprecher bei Merck und arbeitest eine Pressemitteilung um. Stelle Dir vor, Du wärest Dirk Lange, Leiter des Life Science Servicebereichs bei Merck, und erzählst aus Deiner Perspektive eine Geschichte“.
Die Antwort:

„Ein Blick in die Zukunft: Dirk Langes Reise zur mRNA-Innovation bei Merck

Als ich heute Morgen durch die neuesten Produktionsstätten in Darmstadt und Hamburg ging, konnte ich nicht anders, als über den langen Weg nachzudenken, den wir bei Merck zurückgelegt haben. Es fühlt sich an wie eine Lebensreise, die mit einer bahnbrechenden Idee begann: einen Komplettservice im Bereich der mRNA-Technologie anzubieten. Heute, am 26. September 2023, stehe ich hier, stolz darauf, dass wir diese Vision Wirklichkeit werden ließen.


Seit Jahrzehnten ist Merck ein Pionier in der Wissenschaft und Technologie, und unser neuestes Unterfangen hebt uns auf eine neue Ebene. Als Erster in der Branche bieten wir integrierte CTDMO-Services (Auftragsentwicklung, -herstellung und -prüfung) über alle kritischen Phasen der mRNA-Entwicklung an. Dieser Moment ist mehr als nur eine Erweiterung unserer Kapazitäten – es ist ein Meilenstein in unserem unermüdlichen Streben, das Leben der Menschen zu verbessern.

Die mRNA-Technologie hat sich als eine der vielversprechendsten Innovationen dieses Jahrhunderts herauskristallisiert. Mit dem Potenzial, Krankheiten wie Krebs, Herzkrankheiten und Muskeldystrophie nicht nur zu behandeln, sondern möglicherweise auch zu heilen, steht sie an der Spitze medizinischer Revolutionen. Unser Ziel bei Merck war es immer, diese Revolution mit unserem Fachwissen und unseren Ressourcen zu unterstützen.


Die Investition von 1 Milliarde Euro in die Weiterentwicklung der mRNA-Technologie und die Erweiterung unseres globalen Netzwerks war ein entscheidender Schritt. Die Eröffnung der GMP-konformen (Good Manufacturing Practice) Produktionsstätten in Darmstadt und Hamburg, die 75 neue Arbeitsplätze schufen, ist ein klares Signal unseres Engagements. Diese Standorte sind mehr als nur Fabriken; sie sind Zentren der Hoffnung, wo Therapien, die Leben verändern können, entstehen.

Unser Serviceangebot bei Millipore® CTDMO Services ist umfassend. Wir decken alles ab, von mRNA-Technologien, Lipiden, Lipid-Nanopartikeln bis hin zu Fill & Finish, einschließlich Schlüsselprodukte und Biosicherheitsprüfungen. Das bedeutet, dass wir nicht nur Produkte liefern, sondern auch Wissen und Expertise teilen, um den gesamten Prozess für unsere Kunden zu vereinfachen.


Ich denke oft an Dr. Simone Spuler, die Leiterin des Myology Lab am ECRC, deren Arbeit zur Heilung von Muskeldystrophie durch unsere Zusammenarbeit vorangetrieben wurde. Ihre Geschichte ist nur eine von vielen, die zeigen, wie wichtig unsere Arbeit bei Merck ist.

Als Teil der Geschäftseinheit Life Science Services, einem der „Big 3“ Wachstumstreiber von Merck, sind wir nicht nur auf die Steigerung unseres Umsatzes fokussiert. Es geht darum, einen Unterschied in der Welt zu machen. Unser Ziel ist es, bis 2025 unseren Konzernumsatz auf etwa 25 Milliarden Euro zu steigern, wobei ein Großteil dieses Wachstums von den „Big 3“ stammen wird.

Während ich heute durch die Hallen von Merck gehe, fühle ich eine tiefe Zufriedenheit. Wir haben nicht nur eine Vision verwirklicht, sondern auch die Tür zu unzähligen Möglichkeiten geöffnet, das menschliche Leiden zu mindern und Heilung zu bringen. Für mich, Dirk Lange, ist das mehr als nur ein Job – es ist eine Lebensaufgabe."


Dirk Lange hat das alles nie gesagt. Und wir wissen auch nicht, ob das seine Haltung ist. Aber als Erzählung liest es sich gar nicht so schlecht. Und da haben wir schon die größte Chance und das größtmögliche Risiko in der Anwendung von KI: 
  • die Effizienz und Geschwindigkeit, die uns das Tool an die Hand gibt, 
  • und die gleichzeitig Quelle möglicher Fake-News sind.

Noch ein Beispiel? Perspektive Geschäftspartner

Der Prompt: 
„Du bist Pressesprecher bei Merck und arbeitest eine Pressemitteilung um. Stelle Dir vor, Du wärest Wolfgang Maier, Leiter des Architektur- und Planungsbüros epos, das im Auftrag von Merck zwei mRNA Labore planen und konzipieren durfte. Erzähle aus der Perspektive von Wolfgang Maier.“
Die Antwort:

Als Wolfgang Maier, Leiter des Architektur- und Planungsbüros epos, bin ich stolz darauf, dass wir die Gelegenheit hatten, im Auftrag von Merck zwei mRNA-Labore zu planen und zu konzipieren. Diese Erfahrung war nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte unseres Büros, sondern auch ein bedeutender Schritt in der Fortentwicklung der biomedizinischen Forschung.

Unser Ansatz bei der Gestaltung dieser Labore war es, eine Umgebung zu schaffen, die sowohl funktional als auch inspirierend ist. Wir haben besonderen Wert darauf gelegt, Räume zu entwerfen, die die neuesten Technologien und Arbeitsprozesse in der mRNA-Forschung unterstützen. Dabei war es uns wichtig, dass die Labore nicht nur hochmoderne Einrichtungen bieten, sondern auch eine Atmosphäre, die Kreativität und Innovation fördert.

Die Zusammenarbeit mit Merck war für uns eine aufschlussreiche Erfahrung. Es war inspirierend zu sehen, wie engagiert und visionär das Team von Merck ist, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung neuer Therapien und Impfstoffe, die auf der mRNA-Technologie basieren. Unsere Arbeit hat uns einen tiefen Einblick in die Komplexität und die Herausforderungen dieser bahnbrechenden Forschung gegeben.

Wir sind überzeugt, dass die von uns konzipierten Labore nicht nur zur wissenschaftlichen Gemeinschaft beitragen, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen weltweit haben werden. Als Architekten ist es unser Ziel, Räume zu schaffen, die mehr sind als nur Gebäude – sie sind ein Katalysator für Fortschritt und Entdeckung. Mit den mRNA-Laboren für Merck haben wir hoffentlich genau das erreicht.



Klingt gut? Zu gut. Und das ist das nächste Problem: mit ChatGPT klingt jedes Geblubber irgendwie. Man kann für die Zukunft eigentlich nur noch eines sagen: 

Vorsicht vor Texten, die sich zu gut anhören!

Und noch ein Tipp: es macht einen großen Unterschied, ob Sie das Wort „Geschichte“ im Prompt für ChatGPT erwähnen. Je öfter Sie „Geschichte“ in den Prompt nehmen, umso schwülstiger wird die Story.

Noch ein Beispiel? Perspektive Wuff!

Und weil es (mir) so Spaß macht, hier noch ein letzter Versuch – denn man kann ChatGPT ja mit richtigem Blödsinn füttern und sehen, was rauskommt. Die Maschine kann sich ja nicht wehren:

Der Prompt: 

„Du bist Pressesprecher bei Merck und arbeitest eine Pressemitteilung um. Stelle Dir vor, Du bist der Hund von Detlef Kurz, Teamleiter im Life Science Servicebereichs bei Merck, der seinen Hund täglich mit in die Arbeit nimmt. Erzähle aus der Perspektive des Hundes“.

Die Antwort – kommt mit Gebell und Hundepfoten-Emoji:

„Wuff! Ich bin der treue Begleiter von Detlef Kurz, dem Teamleiter im Life Science Servicebereich bei Merck. Jeden Tag begleite ich ihn zur Arbeit, und ich habe eine ganz besondere Perspektive auf die spannenden Entwicklungen in unserem Unternehmen.

Am 26. September 2023 hat Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, eine beeindruckende Ankündigung gemacht: Wir sind nun das erste Unternehmen mit einem Komplettserviceangebot im Bereich mRNA. Das bedeutet, Merck bietet jetzt integrierte Services über alle kritischen Phasen der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von mRNA hinweg. Als Hund verstehe ich nicht alle Details, aber ich spüre die Aufregung und das Engagement meines Herrchens und seiner Kollegen.

Die neuen Standorte in Darmstadt und Hamburg erweitern unsere Kapazitäten erheblich. Sie sind Teil eines großen Investitionsplans, der mit 1 Milliarde Euro ausgestattet ist, um die mRNA-Technologien weiterzuentwickeln. Ich höre oft, wie Detlef und seine Kollegen über die bahnbrechenden Möglichkeiten dieser Technologie sprechen, von der Behandlung von Krebs bis hin zu Herzkrankheiten und Muskeldystrophie.

Merck arbeitet eng mit Forschenden zusammen, um sicherzustellen, dass sie die benötigten Komponenten und Rohstoffe für ihre Forschung haben. Ich sehe oft Besucher wie Dr. Simone Spuler, die sich für die Therapie von Muskeldystrophie einsetzt, und es ist inspirierend zu sehen, wie ihre Forschung durch die Zusammenarbeit mit Merck vorangetrieben wird.

Als Hund verstehe ich nicht alle technischen Aspekte, aber ich weiß, dass Merck einen großen Einfluss auf die Welt hat. Mit den neuen Investitionen und Entwicklungen ist das Unternehmen gut aufgestellt, um weiterhin bahnbrechende Innovationen in der Welt der Wissenschaft und Medizin zu ermöglichen. Und ich? Ich bin stolz, jeden Tag dabei zu sein und meinen Teil beizutragen, indem ich für gute Stimmung sorge! Wuff! 🐾“


Wie süß. 

Bitte spielen Sie mit ChatGPT und lassen Sie sich inspirieren. Bleiben Sie dabei kritisch und hinterfragen Sie jeden Text. Aber bleiben Sie auch offen und neugierig, denn die KI kann so manche Story tatsächlich bereichern. Wuff!



Foto von Pavel Herceg auf Unsplash

KI und PR? Weiter vertiefen

Wenn Sie noch mehr zu dem Thema „KI und PR“ wissen wollen, dann empfehle ich Ihnen den Relevance Report des USC Center for Public Relations, der gerade frisch und mit Fokus zum Thema AI erschienen ist. Hier ein Auszug aus dem Vorwort: 

“WELCOME TO THE 8TH EDITION OF THE RELEVANCE REPORT, which I suspect won’t be relevant for long. But today, it definitely is. Everyone in communications is talking about artificial intelligence. This was not the case in 2019, when The USC Center for Public Relations surveyed PR professionals and found that only 18% felt that AI would be an important part of their future business. In an early 2023 survey, developed in partnership with WE Communications, that percentage soared to 80. Six months later, AI is a topic at every conference, a debate at every agency and the focus of this report. Previously, the Relevance Report has included a variety of issues that affect the PR profession — from Activism to Ethics. But this year, we zoomed in on just one —AI — in an attempt to understand how this tidal wave of technology will impact the future of the communications industry (…”). Weiterlesen und Download

Skurriles mit KI

KI kommt mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen der Kommunikation zum Einsatz. Eines der skurrilsten Felder sind wohl „Grief-Tech-Unternehmen“, die die Trauerarbeit mit Hilfe von KI unterstützen. Firmen wie Storyfile oder You, Only Virtual (YOV) nehmen Videobotschaften von Menschen vor ihrem Tod auf, die die trauernden Angehörigen und Freunde nach dem Tod dann anhören können. Die Technologie kann auch soweit genutzt werden, dass man die Stimme eines toten Menschen klont und diese dann in einen Bot wandelt, mit dem man sich auch nach dem Tod dieses Menschen unterhalten kann. Gruselig, oder?

Bitte diskutieren Sie mit 

Für Freitag, 1. Dezember, lädt die DPRG Sie kostenlos in München zu einer Podiumsdiskussion ein. Thema: „Echt jetzt? Führt KI die PR in die Vertrauenskrise?“ (9 bis 11 Uhr im Lucky Punch / Fat Cat ehemals Gasteig). Auf der Bühne diskutieren Vertreter von Unternehmen, Agenturen, Wissenschaft und Journalismus über die Folgen des KI-Einsatzes in der PR. Die Diskussion wird moderiert von Prof. Dr. Michael Bürker und Petra Sammer. Anmeldung kostenlos hier.



#Echt jetzt? Storytelling mit KI
Dies ist eine Blogserie, in der ich eine Reihe von Selbstversuche dokumentiere, um die Möglichkeiten und Chancen, aber auch Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten der Anwendung von KI (in diesem Falle ChatGPT 4) für den Bereich „Storytelling für Marketing und PR“ untersuche. Teil 1 mit dem Titel „Aus Pressemitteilung wird Story" finden Sie hierDiese Testserie ist subjektiv und erhebt keine Anspruch auf Vollständigkeit. Die Blogbeiträge sollen als Inspiration dienen. Der Wissensstand entspricht der Ausgereiftheit von ChatGPT 4 im Herbst/Winter 2023. Alle Texte stammen von Petra Sammer.

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