Wie Bilder die Wirklichkeit manipulieren
1985 schickte der Werber und Konzeptionskünstler Michael Schirner die Besucher seiner Fotoausstellung in den Hamburger Messehallen in einen Raum ohne Fotos. Er zeigte stattdessen 40 schwarze Tafeln mit kurzen Bildbeschreibungen. Die Ausstellung » Pictures in our minds « appelliert an das visuelle Gedächtnis des Betrachters. Abgefragt werden ikonische Bilder — Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Denn nur wenige Worte genügen, und berühmte Bilder entstehen imaginär im Kopf, wie etwa Einstein, der uns die Zunge entgegenstreckt oder Marilyn Monroe im Luftzug über dem U-Bahn-Schacht in New York. 2010 stellte Schirner dann wieder in Hamburg aus. Auch dieses Mal waren Fotos zu sehen, die jeder kennt. Doch dieses Mal präsentierte der Künstler bekannte Pressefotos, aus denen entscheidende Elemente wegretuschiert worden waren. Wieder vertraute Schirner auf die Vorstellungskraft des Betrachters — denn was nicht gezeigt wird, ergänzt das visuelle Gedächtnis autom...





