May 21, 2019

pssst... Trends, Memes, Stories der Woche: Papier, Puzzling, SJN, StoryTeller


Wer liest, lernt besser

Es gibt Leseforschung. Tatsächlich. Das sind Kommunikationswissenschaftler, die erforschen, wie wir Texte am besten wahrnehmen und lernen. Pablo Delgado ist Leseforscher an der Universität Valencia und er konnte anhand einer Meta-Analyse nachweisen, dass Lesen auf Papier wesentlich effizienter ist als Lesen am Bildschirm. Beim Lesen auf Papier lassen sich die Rezipienten länger Zeit und vertiefen dadurch das Gelesene besser. Es schafft ein tieferes Verständnis der Materie. Und die Studie scheint genau das zu sein, auf was viele Wissenschaftler warteten. Denn über 130 Kommunikationswissenschaftler haben bereits zu der Studie Stellung bezogen und die sog. „Stavanger-Erklärung“ zur Zukunft des Lesens unterschrieben. Darin plädiert die Initiative „Evolution of Reading in the Age of Digitalisation“ (E-READ) für mehr Forschung rund um die Auswirkungen von digitalem Lesen. Wir werden also sicher noch mehr von der Leseforschung hören.

Puzzling - Auf der Suche nach dem passenden Stück

Schnell, schnell, schnell. Hier ein „Like“, da ein „Daumen hoch“. Überall reagieren wir schnell auf Informationen, dabei haben wir sie meist gar nicht richtig gelesen. Ich gebe es selbst zu … oft liest man nur die Überschrift und verlässt sich drauf, dass der Text danach schon stimmen wird und ähnlich smart ist, wie die Headline verspricht. Kommunikationswissenschaftler beobachten diese Art der Rezeption mit Sorge. Wir leben in einer Welt der Skalierung und Fragmentierung und die Informationshappen, die wir aufnehmen, werden immer kleiner. Wissenschaftler nennen diese Art der stückweisen, geistigen Auseinandersetzung „Puzzling“ – im Gegensatz zu „Thinking“.
„Puzzling“ beschreibt das Zusammensetzen eines Weltbildes aufgrund unzähliger kleiner Bruchstücke und Kurzeindrücke (im Gegensatz zu tiefem Nachdenken und ausführlicher Analyse). Gefahr sehen Wissenschaftler vor allem dran, dass wir Ideen und Gedankengänge, die nicht mit den uns eigenen übereinstimmen, keine Zeit mehr schenken und ignorieren, da sie nicht zu unseren anderen „Puzzlestücken“ passen. „Puzzling“ verhindert, dass wir neue Zusammenhänge erkennen oder komplexe, neuen Gedankengänge nachvollziehen. Einher damit geht die These von Franklin Foer, der in seinem Buch „World without Mind – The Existential Threat of Big Tech“  vor der Harmonisierung der Information und Automatisierung des sozialen, intellektuellen und politischen Lebens warnt. Alle denken also mit der Zeit das Gleiche. Und der Philosph Michael Patrick Lynch geht sogar in seinem Buch „The Internet of Us: Knowing More and Understanding Less in the Age of Big Data.“ sogar noch weiter und verneint, dass wir die vielen Daten, die wir zur Verfügung haben in sinnvolles Wissen umwandeln. Wenn Sie also auf der Suche nach einem Puzzlestück sind, das Ihnen gerade ins Bild passt, dann lesen Sie doch, was Adrian Lobe in seinem lesenswerten Artikel  zu sagen hat.

SJN – Solution Journalism

SJN steht für Solution Journalism Network und noch vor einem Jahr interessierte sich niemand für das Angebot der ehemaligen NYT-Journalisten und deren Workshops. Heute rennen ihnen Journalisten und Medien die Bude ein, denn jeder ist interessiert an dieser neuen Form des Journalismus. Ein Journalismus, der nicht nur aufdeckt und hinterfragt, sondern auch positiv nach vorne blickt und Lösungen anbietet. Anschieber war Donald Trump. Denn eine Studie der Rand Foundation konnte nachweisen, dass Menschen, die sich machtlos fühlen, eher Trump wählen. Wer aber Lösungen sieht, wählt anders. Daher legte SJN den journalistischen Fokus nicht mehr so stark auf die Probleme, sondern auf Lösungen und Handlungsoptionen. Chefredakteurin Tina Rosenberg sieht viel Potenzial in lösungsorientiertem Journalismus – auch finanziell. „Studien zeigen, dass lösungsorientierte Reportagen nicht die Klickzahlen, aber die Verweildauer auf der Seite um 10 bis 20 Prozent erhöhen, dass sie Leserbindung und Glaubwürdigkeit stärken.“ So Bornstein in der SZ.


StoryTeller / Food Art – viel zu schön zum essen

Marie Sophie Hingst zaubert aus Brot, Wurst und Senf schon mal schnell eine VanGogh-Bild auf dem Teller. Und diese Food Art hat sie so gut und oft gemacht, dass es dazu jetzt auch ein Buch gibt. Mit dem schönen Titel „Kunstgeschichte als Brotbelag“  - Muss man einfach zum Fressen gern haben.



pssst… popups erscheinen regelmäßig auf Instagram und diesem Blog. Es sind Stories, Memes und Minitrends, über die man aktuell spricht. Eine subjektive Sammlung für Storyteller und Campaigner in Marketing und PR, die auf der Suche nach Inspiration sind. Die Auswahl ist absolut subjektiv und ganz meine Meinung.