Lesestoff 2026
Was wird 2026 für ein Jahr? Jetzt haben wir zwei Kriege auf dem Radar (obwohl es weltweit noch viele mehr gibt): Der Krieg in der Ukraine läuft seit 5 Jahren. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel liegt drei Jahre zurück. In der Folge liegt nicht nur der Gaza-Streifen in Trümmern. Jetzt gibt es auch einen Iran-Krieg. Schwierige Zeiten also, um Literatur zu konsumieren. Oder sollte man sich gerade deswegen in fiktionale Welten flüchten? Mal sehen, welche Bücher dieses Jahr meinen Weg kreuzen.
Walter Moers, Quert. Penguin 2025. "Zamonien in einer neuen Dimension: Wo das Lesen zum puren Abenteuer wird – Walter Moers auf Speed" - Was soll man mehr sagen, zu diesem Lesespaß. Moers in seinem eigenen Universum. Einfach wunderbar.
Volker Weidermann, Mann vom Meer. Eine Thomas Mann Biographie. Kiepenheuer & Witsch 2023. Es gibt schon so viele Biographien von Thomas Mann. Wie soll man da noch was Neues erzählen? Nun, indem man seine Sehnsucht zum Meer als zentrales Element nimmt - und alles immer wieder darauf zurückführt. Lesenswert.
Thomas Mann, Deutsche Hörer! S. Fischer 2025. Die junge Journalistin Mely Kiyak hat Mann´s Rundfunk-Reden in der BBC neu herausgegeben - geschrieben und eingesprochen, um die Deutschen während des 2. Weltkrieges zu erreichen. Der ehemals unpolitische Thomas Mann, der einst eher Anhänger der Monarchie war, wird im Exil in den USA zum Sprachrohr der Exildeutschen und entschlossenen Kämpfer gegen Hitler. Die Texte sind heute so aktuell wie nie und man kann es kaum ertragen, sie zu lesen - so viele Parallelen zur aktuellen Zeit lassen sich herauslesen.
Carla Kaspari, Das Ende ist beruhigend. KIWi 2025. Science Fiction vom Feinsten. Sommer 2130, irgendwo im Norden Italiens. Die Malerin Esther und die Ingenieurin Théa leben zwei der besten Leben, die in jenen Jahren noch möglich sind. "Spes I" ist ein besonderer Ort für besondere Menschen; doch hinter dem Dorf steckt ein fragwürdiges Konzept. Mehr sei hier nicht verraten. Kritiker hielten den Roman für mangelhaft, weil er einige Inkonsistenzen hat. Mir ist das nicht so schlimm aufgestoßen. Viel interessanter fand ich den Gedanken, zu Ende zu denken: Was passiert, nachdem KI den gesamten Kunstmarkt übernommen hat? Was passiert, wenn wir durch all den AI-Slop durch sind? Wie kann dann Kunst noch funktionieren? Was kann uns da Hoffnung geben?
Helmuth Kiesel, Schreiben in finsteren Zeiten - Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 - 1945. Beck Verlag 2026. Was für ein unglaubliches Werk. Über 1000 Seiten dick und umfangreich recherchiert. Wie erkenntnis- und lehrreich der Überblick über die unterschiedlichen Schicksale und Arbeiten deutscher Literaten und Schriftstellerinnen, die während des Dritten Reiches blieben oder flohen, die kämpften oder sich anbiederten, die mitmachten oder die Widerstand leisteten. Eine Frage, die sich auch heute jeder stellen muss.
Ann-Kristin Tlusty, Wolfgang M. Schmitt, Selbst Schuld! Hanser, 2024. Sind wir wirklich selbst schuld an allem? An Klimakrise, Armut, sozialer Ungleichheit, Social-Media-Sucht … Oder wird uns an vielen Stellen eingeredet, dass wir das alleine regeln sollten, obwohl eigentlich politische Rahmenbedingungen oder die Haltung und das Verhalten von Unternehmen etwas ändern könnten? Hier wird die Schuldfrage in dem einen oder anderen Thema interessant aufgemacht.
Alois Prinz, Wohin gehöre ich? Biographie Rainer Maria Rilke. Insel Verlag 2026. Rilke lebte in zwei Welten. Seiner eigenen, romantischen, verträumten Literaten-Bubble. Und in einer harten, politisch schwierigen, komplizierten, gewalttätigen Zeit voll Krieg, Revolution und aufkommendem Faschismus. Und der Krieg ließ seine Stimme verstummen. Mit dem Ersten Weltkrieg konnte er nicht mehr dichten. Und suchte während der Weimarer Republik verzweifelt seine Stimme. Davon handelt diese Biographie.





